Publikationsmedium Internet

Wie viele Filmemacher nutze ich das Internet als Publikationsmedium. Ein Teil der Poesiefilme sind auf vimeo für jedermann frei zugänglich. Ich stehe dazu, einen Teil des Werks frei und kostenlos zugänglich zu halten. Die Idee, dass man ein Kunstwerk verkaufen und erwerben kann, hat etwas Abstruses. Eine Schöpfung ist per se keine Ware. Andererseits braucht der Künstler ein Tauschobjekt, um in der Gemeinschaft zu bestehen. Das Kunstwerk als Ware erhält seinen Lebensunterhalt aufrecht.

Alle meine Filme liegen hier nicht am Präsentierteller.  Es gibt filmisch noch mehr zu entdecken. Vor allem zwei längere Kurzfilme, die sich für eine Wiedergabe online weniger eignen, halte ich passwortgeschützt zurück. Damit gehöre ich weder der Fraktion an, die sagt, Filmkunst müsse im Internet frei zugänglich sein, noch zu jenen, welche ihr Gesamtwerk auschließlich für ein zahlungskräftiges Publikum, Festivals oder VoD zurückhalten.

Nun zu den Filmen:

requiem auf georg trakl –  mein Regie-Debüt mit Marc Neys aus dem Jahr 2012 nach einem Performance-Text fürs Literaturhaus Salzburg. Der Film war sehr erfolgreich mit 7 internationalen Festivalscreenings.

 

ein blaues tier sich verneigt / a blue animal bows. Auf  Yang folgt Yin, und auf die Todesmetaphern ein Film, der sich Trakls Metaphern von Schönheit widmet.

 

tschumbotschampoo oder jörg bungee verschollen am seil
Meinen erfolgreichsten Film mit 9 Festivalscreenings gibt es nur in der Trailerversion zu sehen. Der Text ist ein Rewrite des DADA Romans „sekunde durch hirn“ von Hubert Kramar. Der Film wurde in Co-Regie mit Alexandra Reill 2013 realisiert.

Ich gebe einer Kunst den Vorzug, die sich ein undurchdringliches Geheimnis bewahrt, in dessen Tiefe man versucht vorzudringen. Etwas, das unausdrücklich bleibt. Ich bevorzuge die Vorstellung und dass sich einem nicht alles – wie es der Zeitgeist fordert – sofort und anstrengungslos erschließt. Die Welt ist oft paradox und es gibt keine Wahrheit, sondern nur noch Perspektiven. Hic et nunc, hier und jetzt, ist zurvorherrschenden Philosophie geworden auch in der Kunst. Ich halte ich diesen Zeitgeist für wenig nachhaltig und unpoetisch. Die Poesie sucht immer eine Form der Zeitlosigkeit über den Moment hinaus, die frozen moments.

Neben ästhetischen Fragen über die Poesie hinaus stellt sich im politischen Sinne die Frage,  ob wir mit diesem Bewusstsein von hier und jetzt, das gerade modisch verstärkt wird, tatsächlich die Probleme unserer Zeit lösen werden: Ohne den Blick zurück und historisches Wissen lässt sich da menschliches Verhalten überhaupt erschließen? Und ohne eine Vision über das Jetzt hinaus werden wir nicht zum Umdenken zu bewegen sein.
Ich selbst forciere deshalb die poetische Entgrenzung.

 

 

 

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