Poetry

sigrun höllrigl  – poems / gedichte 

 

vormittags im auwald
(verfilmt)

enthoben dem morgenschleier
die auen summen,
schimmern und glanzen
vor insektenflugel,
flirren die wiesen
vor klein zellkörper,
die luft zerteilt
und so groß surren anhebt,
dass die hufe der elchin
lautlos über den grasteppich
gleiten, sehe ich,
wie die feuchten augen
des geschöpfes sich weiten
wenn der jäger,
der fährte folgend,
näher kommt.

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marschlandschaft 
(verfilmt)

die sonne gekrümmt
unter der marsch,
implodiert,

rhomboide fliegen
über die netzhaut
explosionen in den pupillen.
der horizont bricht,

ein wagen fährt vorbei
am himmel wild verhangene träume
dein gesicht zieht vorüber
ich möchte dich sehen

warte auf den sommer, sagst du
dreh das gas ab am herd,
zieh dir warme schuhe an!

Ich tat, was du sagtest,
ich drehte das gas ab und
verließ im lumberjack das haus.

ich tastete, ich mich
durch die landschaft,
die satt und dunkelgrün glänzte
wie ein geriebener pfennig.

die schwarzen flächen
fielen als regentropfen
aus den augäpfeln

und im erdinnern ging
der dämon mit
dem vulkan, er lacht.

ich stolpere über einen wurzelstock
ich habe whiskey getrunken
die dunkelheit zieht langsam heran.

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capparis spinosa 
(verfilmt)
auf meiner roten zunge
dringt weißes korn in die poren
unter die haut.

der mund zieht sich zusammen
unter den oliven knospen
der capparis spinosa.

ich erzittere unter dem herben reiz
des blütenknospengewächses
dabei suche ich deine augen.

mit dem salzmaul
der capparis spinosa
erreiche ich deinen atem
und durchstoße ihn.

die aspis leuchtet auf,
deine iris glüht mich an, 
sie lässt mich das salz
im rachen vergessen.

der wind peitscht
auf den liparischen inseln
die tyrrhenische see.

du beherrschst die böen
ich stürze mich in die flut

und denke an nichts mehr.
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paris
chromgelb das licht
aber paris ist rot
und flackert wie marmor

rot wie das blut der jakobiner
und schwarz wie afrika
über alle gesichter hinweg
fährt die metro in stotternder fahrt.

in den moder des schachts
möchte ich meinen kopf halten
nein – am quai d’orsay
stoß‘ ich in die höhe.

vor mir die seine
in zittrigem wellenschlag.
– die stadt pulsiert,
mein herz beginnt zu rasen.

im reich der flaneure,
dem jardin de luxembourg
komm’ ich zur ruhe.

mein ich kennt jetzt
kein zurück mehr.
ich bin hier und
ich bleibe hier

gefangen im garten.
nur du, du holst mich
wieder zurück.

(c) Sigrun Höllrigl

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